Kurskapriolen bei Rohstoffpreisen

Es ist erst fünf Wochen her, dass wir an dieser Stelle die knackige Baisse bei den Preisen für amerikanisches Erdgas kommentiert haben. Seinerzeit ging es insgesamt um die Aktien der Energieversorger. Seither hat sich manches verändert, zumal am amerikanischen Erdgasmarkt.

Lagen noch Mitte April die Notierungen für amerikanisches Erdgas bei 1,60 Dollar pro British Thermal Unit (BTU), so sprangen sie zuletzt auf ein Niveau von 2,5 Dollar empor. Damit zeigten die Notierungen einmal mehr, welche sportlichen und kurzfristigen Sprünge auf Rohstoffmärkten möglich sind. Nachdem die USA einen milden Winter mit unterdurchschnittlichem Erdgasverbrauch durchlebt haben, fokussierten sich Anleger zuletzt auf den Sommerverbrauch. Das warme Sommerwetter führt strukturell zu erhöhten Strom- und Erdgasverbräuchen in der Neuen Welt. Hinzu tritt der enorme Energiehunger amerikanischer Datencenter, die durch die rasche Ausbreitung künstlicher Intelligenzanwendungen großen Strombedarf beanspruchen. Dieser zusätzliche Strombedarf dürfte zu einem großen Teil durch flexible und grundlastfähige Erdgaskraftwerke gedeckt werden. Entsprechend rosig fielen zuletzt die Prognosen der Marktexperten für den Erdgasabsatz aus.

Aber auch andere Rohstoffe machten zuletzt von sich reden. Besonders augenfällig war dies bei den Notierungen für Kupfer. Am Kupfermarkt wurde von Engpässen berichtet. Seit Februar sprangen die Kurse für das rote Metall um ca. 25 % an. Unter Volkswirten gilt Kupfer ähnlich wie Aluminium, das ebenfalls deutlich zulegen konnte, als Konjunkturindikator. Anziehende Notierungen deuten auf verbesserte gesamtwirtschaftliche Entwicklungen hin. Hinzu kommt eine erhebliche Kupfernachfrage für den Ausbau der Stromnetze. Insgesamt erlebten Metalle in den letzten Monaten einen kräftigen Aufschwung. Und das gilt nicht nur für Industriemetalle wie Kupfer, Aluminium und Nickel, sondern auch für Edelmetalle wie Gold und Silber.

Freilich hatten die Rohstoffmärkte auch negative Kursentwicklungen zu bieten. Am Markt für Lithium kam es in den vergangenen Monaten zu erheblichen Einbrüchen, nachdem klar wurde, dass die Verbreitung von E-Autos nicht in der Geschwindigkeit erfolgt, die sich die Politik wünscht. Indikativ lässt sich die Kursentwicklung des amerikanischen Minenunternehmens Albemarle Corp. anführen. Dessen Kurs halbierte sich in den letzten zehn Monaten. Ähnliche Entwicklungen sind auch bei ETFs auf Lithium und Batteriemetalle zu beobachten.

Wesentlich gemächlicher ging es hingegen bei Mais und Sojabohnen zu. Während die Weizennotierungen in diesem Jahr gut zulegen konnten, dauert die Bodenbildung bei Mais und Sojabohnen noch an. Nachgerade spektakulär verhielt sich indessen der Kakaopreis. In den letzten fünf Monaten verdoppelte sich sein Preis, wie jedermann beim Kauf eines Schokoladenproduktes feststellen kann.


Aus Chicago

Ihr

Dr. Christoph Bruns